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Seit Herbst 2001 war die Reise mehr oder weniger geplant. Nachdem Matthias schon 2mal im Sommer in Nordnorwegen unterwegs war, wollte er Lappland mit Freunden nun auch im Winter kennenlernen. Mich hat es von Anfang an gereizt. Ursprünglich sollten mal 12 Leute mitkommen, aber aus irgendwelchen Gründen blieben nur Matthias und ich übrig. 2-3 Wochen vorher gingen die Vorbereitungen richtig los. Am Ende stand vor uns ein riesen Berg Gepäck, der irgendwie verpackt werden wollte. Das ging besser als zuerst angenommen und schließlich fanden 35 kg Zeugs doch noch ihren Weg in bzw. an den Rucksack. |
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Hinreise: Von Stuttgart gings erst mal direkt nach Hamburg, wo wir nach Umsteigen weiter nach Malmö fuhren. In Malmö gings im Nachtzug weiter nach Stockholm. Im Zug begegnete uns Laura aus Italien, mit der wir im Gang eine Flasche Wein tranken. Sie kommt aus Milano und reist durch ganz Europa, um einen angenehmen Platz zum studieren und vielleicht leben zu finden. Kein schlechter Vorwand! Leisten kann sie sich das, weil ihr Vater ein Transportunternehmen besizt. Leicht müde legen wir uns in unsere Liegeplätze. Am nächsten Morgen erreichen wir Stockholm. Jetzt hiess es irgendwie zum Hafen kommen und die Fähre nach Turku (Finnland) nehmen. Mit dem Bus kein Problem - Stockholm macht einen schönen Eindruck, nicht zuletzt durch den hammer Sonnenaufgang! Etwas verpeilt vom Liegewagen erklimmen wir die Fähre und landen vor der Schiffsdisko bei der es am Vorabend heftig zugegangen sein muss. Auf Deck sehen wir, wie sich die Fähre durch verschlungene Buchten und Inselchen schraubt, was sich auch die nächsten Stunden nicht ändern wird. Nach einem Nickerchen in der Panoramabar gehen wir in den Duty Free Shop und kaufen unter anderem Wodka für einen Minderjährigen Finnen. Wieder auf Deck treffen wir eine Gruppe angetrunkener Finnen, setzen uns dazu und tauschen erst mal die wichtigsten Schimpfwörter aus. Die wichtigsten Personen: Arschlochman, weil er 'Arschloch' so schön betont hat. Heavyman, weil er so von seinen Freunden genannt wird. Und schliesslich Niko, weil er Niko heisst. Ausserdem noch 2-3 andere, aber finnische Namen sind lustig und kein Mensch kann sie sich merken. Als angebliche Mitglieder der Schule von Arschlochman und Co leisten wir uns ein vorzügliches und zudem kostenloses Mal im Schiffsrestaurant (Lachs, Fleischklöse, ...). Später bemerken wir, dass ziemlich viele im Schiff ziemlich betrunken sind. Arschlochman klärt auf: Die Fähre ist voll mit Schulklassen aus ganz Finnland, die gerade das Abitur gemacht haben. Mehr oder weniger ausschliesslich zum Zwecke des Besäufnisses fahren alle mit der Fähre nach Stockholm. Das gesamte Schiff ist betrunken! Alkohol ist in Skandinavien bekanntlich ziemlich teuer, aber im Vergleich auf dem Schiff für Nordmenschen fast geschenkt. Am Nachmittag stossen wir auf eine zweite Gruppe (teils betrunkene) Finnen und unterhalten uns mit Outi und Immi. Immi: Ist 18 Jahre alt und will eine (bessere) Lehrerin werden. Sie ist sehr religiös und ernsthafter Gegner von Drogen, paradoxerweise nicht von Alkohol, da dieser legal zu erwerben ist (?). Die aufgeschlossene und alternativ gekleidete Immi sammelt diese Flaggenbuttons zum Aufsticken und hat immerhin schon 3 Stück! Ich werde ihr einen von Deutschland zuschicken. Outi: Ist 18 Lenze jung und ihre Eltern besitzen ein summer cottage mit Sauna und 2 Booten, wow. Ausserdem behauptet sie der Weihnachtsmann kommt aus Finnland! Nach einiger Zeit gesellen sich Arschlochman und Co zu uns an den Tisch und präsentieren uns stolz ihre aus dem Duty Free Shop gestohlene Wodkaflasche (0,5 L). Diese landet auch in kürzester Zeit im eh schon hochprozentigen Blut der Nordmenschen. Es ist unangenehm kalt und windig. Arschlochman, Heavyman und Niko kommen nach kurzer Abwesenheit mit einem breiten Grinsen und diesmal mit 2 gestohlenen Wodkaflaschen wieder. Zu hart die Jungs! Später fängt Heavyman neben dem Tisch an zu kotzen und zu zittern. Arschlochman reicht ihm zum nachspülen das letzte bischen Wodka zu. Danach brechen alle nach drinnen auf (nicht zuletzt wegen dem Haufen, den Heavyman verursacht hat). Wir bleiben mit Immi und Outi draussen und schauen uns einen genialen Sonnenuntergang an. Keine Wolke am Himmel und superklar. Dabei glauben wir etwas entfernt ein U-Boot zu sehen, was sich auch mit Fernglas nicht sicher beweisen läßt. Die Russen? Am Abend fährt die Fähre komplett durchs Eis - kleines Titanik Déjàvu. Schliesslich geht auch dieser Fährtag zu Ende und wir fahren mit dem Zug von Turku nach Tampere, wo wir Johannes besuchen wollen. Im Zug hinter mir sitzt ein kotzendes Kind. Johannes fing uns in Tampere am Bahnhof ab. Am nächsten Tag haben wir die grosse Ehre den Gyyka Weltmeisterschaften beiwohnen zu dürfen - lustiges Spiel. Abends gehen wir noch in die Sauna. Auf der Fahrt zum Bahnhof treffen wir auf Jenni: Jenni ist zierlich klein, 18 Jahre alt und natürlich besoffen - 'My friend made me drunk'. Sie ist Pornstar-Fan und trägt deswegen auch ein Pornstar-T-shirt. Später will sie was mit Medien oder Sprachen machen. Euphorisch schleift sie uns mit in ein Cafe vor dem Bahnhof bevor es mit dem Zug weiter bis nach Kolari geht. Der Nachtzug nach Kolari ist diesmal ziemlich komfortabel und wir schlafen wie die Bären. Als wir nach 10 Stunden aufwachen ist draussen alles weiss. Zum ersten mal schnallen wir uns die Schlitten um und machen uns zum 'Zentrum' von Kolari auf. Dort müssen wir feststellen, dass kein Bus bis nach Kilpisärvi (unsere geplante Endstation) fährt. Erst am Abend (in 8 Stunden) fährt ein Bus nach Muonio, s.d. wir es uns im Pup gemütlich machen. Wir trinken Kaffe, essen Pizza, spielen Billard, trinken Kaffe, spielen Billard, ...! In gleichen Intervallen verschwinden jeweils 2 Gläser (Saftgläser) mit Wodka im Bauch des am nachbartisch sitzenden Finnen. Er war schon da als wir am Morgen kamen, machte kurze Mittagspause, kam dann wieder und war natürlich noch da, als wir uns verabschiedeten. Er war sehr nett, konnte kaum Englisch, bestand aber darauf, dass er namentlich auf unseren Grusskarten mit einem Gruß vermerkt war. An der Strasse warten wir auf den Bus nach Muonio. Ständig fahren Autos durch die Gegend und machen an den Kreuzungen Slides und U-turns. Es sind Jugendliche, die nach eigener Aussage nichts besseres zu tun haben. Gegen 20:00 Uhr kommen wir in Muonio an und suchen uns irgendwo einen Zeltplatz. Endlich gescheite Temperaturen - denken wir - und haben bei -17°C eine kältere Nacht. Am darauffolgenden Tag gehts um 12:30 Uhr endlich nach Kilpisjärvi! Der Busfahrer, der zugleich die Post in der abgeschiedenen Gegend ausliefert, muss ab und zu für Rentiere bremsen. Dann Ankunft in Kilpisjärvi. Auf unsere Frage: 'Is there another supermarket in the center?' - der Busfahrer: 'This is the Center'. Wie dumm auch. |
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18.02.02 Montag 1.Etappe: Kilpisjärvi - Goldahytta (14 km - ca. 4-5 h) Am Seeufer des Kilpis packten wir um und machten uns euphorisch gegen 16:00 Uhr auf die Socken. Auf dem See waren große Markierungen (Strassen für Scooter) angebracht, welche uns den Weg über das Eis zeigten. Nach ca. 1 Stunde und 2-3 km war es dunkel und Matthias hatte seine Thermosflasche irgendwo verloren. Matthias ging ohne Gepäck zurück, während ich alleine langsam weiterschlürfte. Durch den Mond war es nicht stockduster und wir konnten ohne Stirnlampen laufen. Am Ende des Kilpis trafen wir wieder zusammen. Hinter ganz leichten Schleierwolken sahen wir unser erstes Polarlicht - juhu. Farblos, aber schwach hellgrau konnten wir einen grossen Bogen sehen. Nachdem wir den See und das Eis verliessen, begann der Schlitten von Matthias immer wieder umzukippen. Danach lösten sich die Fälle von seinem ersten Ski. Wir kamen kaum voran. Stockdunkel und kalt. Nur schwer kamen wir bis zum Dreiländereck. Dort hörten auch die Motorschlittenspuren auf, die uns das spuren bis dahin ziemlich erleichterten. Nur noch weicher Tiefschnee. Die Schlitten und auch teilweise die Skier sanken ein. Jetzt löste sich auch das zweite Fell bei Matthias und somit waren die Skier im Prinzip unbrauchbar geworden. Matthias beschloss die Ski auf den Schlitten zu gurten und zu Fuss weiter zu gehen. Er sank bis zu den Oberschenkeln (manchmal bis zur Hüfte) in den Schnee ein. Bock anstrengend! Die restlichen 2 km schienen unendlich. Wir schafften immer 20 m und mussten dann Pause machen. Wir hatten nichts zu trinken mit. Irgendwann beschlossen wir den Schlitten von Matthias zurückzulassen, weils mit einfach nicht ging. Ich spurte durch den Tiefschnee und Matthias lief ohne Schlitten hinterher - trotzdem scheisse!! Wir schafften weiterhin nur 20 m mit Pause. Unsere Kräfte liessen schon längst enorm nach und die Psyche war am Boden. 1 km vor der Hütte besserten sich die Bedingungen etwas und wir kamen schneller voran. Trotzdem waren die letzten 1,5 km grausig! Für die Strecke von Kilpisjärvi bis zum Seeende (3/4 der Strecke) brauchten wir 3 Stunden - für das letzte 1/4 Wegstrecke (ca. 3 km) brauchten wir 4 Stunden! Ziemlich dehydriert erreichten wir gegen 23:00 Uhr oder 24:00 Uhr die Hütte. Eine Hütte war komplett vom Militär belegt, in der anderen waren 8 Personen. Dafür war die Hütte schön warm! Wir tranken nach unendlichem Durst Unmengen Wasser und Tee und assen gemütlich. Danach fielen wir ins Koma. Matthias schrie in der Nacht irgendwas in den Raum. |
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