20.02.02 Mittwoch: Goldahytta - Gapohytta (15 km - ca. 4-5 h)
Nach einem ausgiebigen Frühstück brachen wir gegen 13:00 Uhr bei leichtem Sonnenschein, -10°C und 5 cm Neuschnee in Richtung Gapohytta auf. Wir hatten nun wesentlich bessere Schneebedingungen und die Gepäckaufteilung war genau richtig. Die ersten 3 km spurten wir querfeldein, bis es zunehmend neblig wurde - fast schon 'white out'. Ein tiefer Flusseinschnitt machte uns etwas Schwierigkeiten und führte zu einer längeren Diskussion zwecks Wegwahl, dann sahen wir jedoch die von der Gapohytta zurückkehrenden Norweger, die ebenfalls nicht genau wussten, an welcher Stelle sie den Flusseinschnitt passieren sollen. Der Norweger machte es auf seine Weise, in dem er einen 5m Felshang hinunterstürzte, aber beide lachten! Wir fanden einen angenehmeren Weg und trafen die beiden auf dem Fluss. Sie zeigten und erklärten uns den weiteren Weg. Nach einer weiteren Stunde verschlechterte sich die Sicht noch weiter - erst mal Pause und Tee trinken. Nach 5-10 min begann die Kleidung an zu gefrieren, also nichts wie weiter! Zusätzlich zur schlechter werdenden Sicht kam nun noch der Einbruch der Dunkelheit. Die Schneemobilspuren (von den Militärfahrzeugen) waren nun kaum noch zu erkennen. Man erkannte auf dem Schnee absolut keine Konturen mehr. Nicht mal Unebenheiten von bis zu 1/2 Meter liessen sich bei den Bedingungen ausmachen. 2 km (Luftlinie) vor der Hütte verliessen wir auf Rat der Norweger den auf der Karte verzeichneten Weg, um Distanz einzusparen und mit GPS direkt die Hütten anzusteuern. Das Ende zog sich wieder einmal. Die Hütten schon fast in Sichtweite, mussten wir noch einen Anstieg überwinden. Die Hütte war beinahe auf Aussentemperatur ausgekühlt. Wir waren beide körperlich fertig, ausgekühlt und durstig, aber weitaus weniger als am ersten Tag. Nach 2-3 Stunden hatten wir die Hütte auf 4-7°C gebracht. Genug, um die Kleider aufzuhängen, Tee zu machen und gemütlich zu essen. Da die Uhr schon fast 3:00 Uhr morgens zeigte, beschlossen wir am nächsten Tag wieder in der Hütte zu bleiben.



21.02.02 Donnerstag: Ruhetag in Gapohytta
In der Nacht kühlte die Hütte immer wieder ab und so wachten wir jeden Morgen bei molligen 0-4°C auf. Das Wetter war besser, aber dennoch neblig. Nach dem Frühstück machten wir erst mal richtig viel Holz, da der Ofen Unmengen davon in sich reinfrass ohne dabei wirklich gut zu heizen. An diesem Tag sollten wir die Innentemperatur der Hütte nicht über 10°C bekommen. Matthias machte eine kleine Rundtour (1 1/2 h). Er betrat dabei kurz schwedischen Boden. So allmählich kam Sturm auf, also schnell noch ein paar Fotos machen. Zum Abend Besserung der Sicht und Nachlassen des Windes. Wir hatten einen tollen pastelfarbenen Himmel. Überall kamen am Horizont die Gipfel der umliegenden Berge leicht zum Vorschein und so konnten wir erahnen in welch schöner Gegend die Hütten stehen. Im Vorraum der Hütte entdeckten wir eine kleine braune Maus, die später auch ihren Anteil am Abendessen erhalten sollte. Das Abendessen konnte sich sehen lassen: gebratener Lachs mit Schwarzbrot und am Schluss den Rest Schinkenspeck. Mit kugelrunden Bäuchen berieten wir vor ausgebreiteten Karten über den Vortgang der Wanderung. Kurzetappe zur schwedischen Hütte (Pältsastuga) oder 20 km durchs Gebirge direkt zur nächsten geplanten Hütte (Rostahytta)? Wir entschieden uns für das letztere, denn noch hatten wir genug Zeit. Fleissig tranken wir eine Teekanne nach der anderen und draussen war der Himmel klar, dennoch keine Nordlichter (?). Wir gingen gegen 21:00 Uhr ins Bett, um früh aufzustehen.





22.02.02 Freitag: Ruhetag in Gapohytta wegen Schneesturm
Guten Morgen! Wie immer 0°C in der Hütte, draussen richtig starker Schneesturm, der tagsüber sogar noch stärker wurde. Wieder will die Bude nicht warm werden. Gegen Mittag machten wir erst mal Holz und sind beeindruckt angesichts des gewaltigen Schneesturms. Die 30 m bis zum Klo bzw. Holzschuppen erforderten komplette Kleidungsausstattung. Klo anpeilen, Kopf runter und loslaufen. Gegen Nachmittag testeten wir den Ofen der anderen Hütte und entschieden uns später dafür umzuziehen, da die Hütte anscheinend schneller warm wurde. Ca. 16 Uhr Umzug. Um 19 Uhr hatten wir mit 12-16°C endlich angenehmere Temperaturen. Der Rest des Tages wurde mit lesen, gammeln, Tee trinken, warten und durch die Hütte laufen über die Runden gebracht. Draussen war es immer noch sehr trüb, etwas weniger Wind. Seit diesem Tag planten wir auf jeden Fall die Siedlung Frihetsli anzusteuern, erstens um dort zu telefonieren und zweitens um dort vielleicht unsere Vorräte, die knapp werden könnten, aufzufrischen. In der Hoffnung, dass am nächsten Tag besseres Wetter ist, gingen wir wieder früh ins Bett.



23.02.02 Samstag: Ruhetag in Gapohytta wegen Schneesturm
Schon Nachts konnte man den Sturm draussen nicht überhören. Die ganze Hütte hat gewackelt. Die wissen schon, warum sie die Hütten mit Stahlseilen sichern. Morgens hatten wir den bisher stärksten Schneesturm! Hammer. Wieder Zeit totschlagen mit Holz machen, Wäsche waschen, lesen, gammeln, usw. Gegend Abend tauchten in der Dämmerung plötzlich zwei Norweger aus Tromsö aus dem nachlassendem Sturm auf, die erstmal die gesamte Hütte mit 20 (!) Kerzen beleuchteten. Später schien sich der Wind zu legen, vielleicht morgen endlich Wetterbesserung! Matthias gab GPS-Daten ein und fertigte Weg- und Höhenprofile an.


24.02.02 Sonntag: Gapohytta - Rostahytta (21 km - ca. 6-7 h)
Die Nacht war ruhig (kein Wind), s.d. es uns um 7:00 Uhr recht euphorisch aus den Säcken trieb. Endlich das lang ersehnte Wetter. Kaum Wolken, kein Wind und ideale -15°C. Sachen zusammenpacken, frühstücken und ab. Sonnenaufgang genial. Zum ersten mal sahen wir die gesamte Umgebung. Überall sonnenangestrahlte Gipfel. Sichtweite >50 km. Gegen 9.30 Uhr Aufbruch. Die Bedingungen waren einfach perfekt. Der Schnee war durch den Sturm hart wie Stein. Die Sonne wärmte sogar und so konnten wir im Fleece laufen. Unglaubliche Sicht. Auf dem höchsten Punkt der Etappe im Istal (auf 1000m) machten wir Pause. Das Gröbste war nun geschafft, von nun an gings nur noch abwärts. Die steileren Abfahrten mit den Schlitten waren schwieriger als angenommen. Meist überholten uns die Schlitten und rissen uns unweigerlich zu Boden. Es folgte ein kurzes lawinengefährdetes Gebiet. Es begann zu dämmern. Alles, wirklich alles war blau-pastelfarben im Abendlicht (von wegen Schnee ist weiss). Nach 5 km Querung am Hang erreichten wir die am Wald liegenden Hütten. Am Horizont blutroter Sonnenuntergang. Die Hütten waren ziemlich eingeschneit, der Eingang lag aber frei. Unsere Fleece waren teilweise gefroren. Der Ofen war zum Glück super und wärmte den Schuppen ungewohnt schnell auf. Abendessen bei 20°C (!) im Schatten und heisse Schokolade bis zum Erbrechen. Bis ca. 24:00 Uhr wollten wir noch warten, um vielleicht noch Polarlichter zu sehen, die sich aber nicht hatten blicken lassen. Allein dieser Tag war die Reise wert! Uns wurde klar, dass wir für den Rest der Route zu wenig Zeit haben würden und entschieden uns im Rostadalen zu bleiben und erst mal Tagesetappen zu machen, um dann nach Tverelvmo auszusteigen. Eine Tour über die schwedische Hütte Stor Rosta weiter zur Daertahytta und zurück zur Rostahytta stand auch zur Auswahl.





25.02.02 Montag: Rostahytta - Tagestour (13 km - ca. 5 h)
Wieder hatten wir fantastisches Wetter beim Aufstehen. Nach dem Frühstück beschlossen wir auf einen benachbarten Gipfel (1155m) aufzusteigen. Nur ein leichter Rucksack mit dem Nötigsten wurde mitgenommen. Aufbruch gegen 11:00 Uhr. Auf gutem Schnee kamen wir schnell und relativ leicht voran. Eine Stelle war ziemlich steil und vereist. Die Tourenski bekamen kaum Halt und ein Abrutschen wäre spannend geworden (300m bei 35° Hangneigung). Der Rest war schnell erstiegen. Auf dem Gipfel Blick in alle Richtungen mit einer unglaublich weiten Sicht. Ca. 1 Stunde genossen wir diesen Blick, assen und tranken nebenbei. Dann gings nur noch bergab. Felle runter und laufen lassen - haleluja. Ich stand seit 10 Jahren nicht mehr auf Skiern, weshalb es mich ziemlich oft gebröselt hat. Super Abfahrtsschnee, jungfräulicher Hang. Im oberen Teil sahen wir einen Fuchs vor uns wegrennen. Am frühen Nachmittag erreichten wir wieder die Hütten. Bei immer noch schönem Wetter wurden noch einige Fotos geschossen, Holz gehackt, Schnee geschmolzen und gegessen. Zum Abschluss haben wir noch Mensch Ärgere Dich Nicht gespielt und die letzte Liqueurflasche gekippt.





26.02.02 Dienstag: Rostahytta - Tagestour (14-15 km - 5 h)
Bei leicht bzw. ab der Baumgrenze (400 m) stark zugezogenem Wetter unternahmen wir eine ca. 5 stündige Skitour auf kleine Gipfel südlich von Rosta. Der erste Gipfel südöstlich bot uns eine skurile Aussicht ins Rostadalen. Zum Teil konnte man auch die umliegenden Berge erkennen, wenn die Sonne sich etwas durch die Nebelsuppe kämpfen konnte. Den nächsten Gipfel, von dem aus die Abfahrt zurück zur Hütte starten sollte, betraten wir leider bei absoluter Nullsicht (white out), ansonsten hätten wir einen tollen Blick auf das südliche Gebirge haben können. Die Abfahrt war dennoch super und je mehr wir uns ins Tal bewegten, desto besser wurde die Sicht. Gegen 15:00 Uhr kehrten wir zurück. Eine Stunde später tauchten plötzlich 2 Norweger auf, die aber nur ihre schwere Pulka ein wenig erleichterten (ca. 25 kg Essen), da sie 2 Wochen später mit Touristen in dieser Gegend unterwegs sein würden. Dann gingen sie noch 1 km weiter um irgendwo zu zelten. Zur Feier des Tages wuschen wir uns bei -10°C vor der Hütte. Am nächsten Tag wollten wir dann also nach Tverelvmo aufbrechen, um dann mal zu sehen, wie wir von dort aus weiterkommen.